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Das Kurhaus und der Hessische Landtag in Wiesbaden
Wiesbadens Geschichte
Der Biograf Karls des Großen ist wohl für den heutigen Namen der Hessischen Landeshauptstadt verantwortlich: "Wisibada", Bad in den Wiesen notierte er, als er den Ort beschrieb, der schon seit Jahrhunderten zuvor den Römern als Bade- und Erholungsort lieb geworden war.




Auf der gegenüberliegenden Rheinseite im Kastell Moguntiacum (heute Mainz) lagerten römische Legionen. Damit die müden Krieger wieder zu Kräften kamen machten sie auf der anderen Stromseite "Wellness-Urlaub".

Aber die Quellen waren nicht etwa eine Entdeckung der Römer. Germanen, die zum Stamme der Mattiaker gehörten, hatten schon längst gewusst, welches gesunde Nass die Erde rund um das heutige Wiesbaden hergibt. Über dem Eingang zum schönsten Kurhaus Deutschlands (Kaiser Wilhelm II.) steht in großen Lettern zu lesen: AQUIS MATTIACIS: zu den Wässern der Mattiaker. So sehr das Wasser fließt, die Geschichte lebt.

Zwischen 1200 und 1243 errichteten die Grafen von Nassau eine reihe von Burgen und schutzanlagen, die als Ruinen noch heute in einigen Vororten zu sehen sind. Unter dem Hause Nassau erlebte Wiesbaden seine erste große Blütezeit.

In den folgenden Jahrhunderten verblasste die Attraktivität der Stadt. Die Handels- und Badestadt war dann nur noch Marktflecken, die Pest wütete, die Geschichte hinterließ unrühmliche Spuren. Doch ab 1806 mit Beginn der Herrschaft der Herzöge von Nassau, die die Stadt zu ihrer Residenz erhoben hatten, begann der unaufhaltsame Aufstieg Wiesbadens. Die zahllosen Quellen taten das Ihre. Bald zählte man mehr Kurgäste als Einwohner und schon ein knappes halbes Jahrhundert später tauchte zum ersten Mal das Prädikat "Weltkurstadt" auf. Der Europäische Hochadel und Potentaten gekrönte Häupter und wohlhabende Bürger wählten Wiesbaden zu ihrem bevorzugten Ferienort.

Mitte des 19. Jahrhunderts war Wiesbaden die Welthauptstadt der Spitzen-Hotellerie. In keiner Stadt gab es so viele Grand-Hotels (die meisten hatten direkten Zugang zu einer der unzähligen Heilquellen) wie hier. Das entspräche einem heutigen Hotelbestand von 80 Fünf-Sterne-Hotels, von denen mehrere heute noch in Betrieb sind. Das Palast-Hotel, einer der wenigen Jugendstilbauten, war das erste in Deutschland mit Zimmertelefon. Vor seiner Balustrade harrten einst Hunderte von Fans aus, um dem großen Caruso, der dort ein Konzert gab, zu zujubeln.

Dass Wiesbaden heute noch über derartig viele prachtvolle Häuser und unzerstörte Straßenzüge verfügt ist einem Beschluss der Alliierten im 2. Weltkrieg zu danken. Ebenso wie Heidelberg sollte die Stadt vor Bombenangriffen und Artilleriebeschuss verschont werden, denn man wollte nach dem Krieg dort seine Hauptquartiere errichten. Beides wurde realisiert.
Nach Kriegsende wurde die ehemals nassauische Residenz Landeshauptstadt von Hessen.


 

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